Lexikon
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Die Unfehlbarkeit

»Unfehlbarkeit« bedeutet buchstäblich die Unfähigkeit, Fehler zu begehen.

Im christlichen Sprachgebrauch bezieht sich der Begriff auf die Freiheit von Fehlern in der Lehre. Er impliziert jedoch nicht die Freiheit von Sünde oder von Irrtümern hinsichtlich des Urteilsvermögens in praktischen Fragen des Alltags.

Im Römischen Katholizismus wird im Allgemeinen die Auffassung vertreten, dass die Kirche als Ganzes und auf lange Sicht in ihren zentralen Lehren zu Fragen des Glaubens oder der Moral nicht irren kann; individuelle historische Irrtümer und Fehler wie beispielsweise Zwangskonvertierungen, die Hexenverfolgung, die Duldung von Sklaverei, das Verbot der Erhebung von Zinsen usw. können demzufolge durchaus eingeräumt werden.

Der Römisch-Katholischen Lehre zufolge konkretisiert sich diese Freiheit von Fehlern unter klar definierten Bedingungen in der Lehrbefugnis des Episkopats, also der Bischöfe in ihrer Gesamtheit, zum Beispiel im Rahmen eines Konzils, oder auch des Papstes allein, wenn er »ex cathedra«, also mit expliziter, definitiver Autorität spricht.

Die päpstliche Unfehlbarkeit in diesem Sinne wurde erst anlässlich des →Ersten Vatikanischen Konzils im Jahre 1870 als Dogma definiert.

Im Hinblick auf konkrete Dogmen, in Bezug auf welche Unfehlbarkeit beansprucht wird, können jedoch dahingehend Fragen durch Theologen aufgerufen werden, ob diese klar definierten Bedingungen de facto durch ihre Festlegung erfüllt sind und wie der Wortlaut der Definition auszulegen ist.

Aus diesem Grund wird die Tauglichkeit des Begriffs »Unfehlbarkeit« und das Bestehen identifizierbarer »unfehlbar wahrer Aussagen« durch einige Theologen, insbesondere →Hans Küng, in Frage gestellt, unter Verweis darauf, dass die Kirche als Ganzes ungeachtet gelegentlicher, vorübergehender Irrtümer und Fehler durch den Heiligen Geist innerhalb der Wahrheit (»Unfehlbarkeit«) gehalten wird.

Die meisten Christen glauben an die göttliche Inspiration der Bibel als das Wort Gottes. Einige ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass dies bedeutet, dass die Bibel lediglich in zentralen Fragen des Glaubens und der Praxis fehlerfrei ist (»Unfehlbarkeit der Bibel«).

Dahingegen legen die →Fundamentalisten die »biblische Unfehlbarkeit« derart umfassend aus, dass sie selbst periphere Aussagen einschließt, die Fragen der Wissenschaft, Geographie und Geschichte betreffen und wortgetreu auszulegen sind. Mitunter gehen sie sogar soweit, dass sie eine bestimmte Version der Bibel, wie beispielsweise die King-James-Bibel (eine englische Übersetzungsversion), für buchstäblich fehlerfrei erachten.

Die meisten Theologen vertreten heute jedoch die Ansicht, dass die Bibel auf geschichtskritische Weise und unter Berücksichtigung des literarischen Genus und der Mentalität der ursprünglichen Adressaten gelesen werden muss. Demzufolge sehen sie keinen Gegensatz zwischen der Bibel und der modernen Wissenschaft.

Muslime vertreten im Allgemeinen den Glauben, dass der Koran - im Gegensatz zu den Schriften des Judentums und der Christen, die sie für entstellt erachten - als das Wort Gottes ein von Fehlern freier Text und mit Bestimmtheit wahr ist. Jedoch räumen Muslime im Allgemeinen auch ein, dass die Auslegung des Korans fehlbar bleibt und demzufolge offen für Korrekturen ist.

Dem Schiitischen Islam zufolge werden die Propheten Gottes, insbesondere Muhammad, seine Tochter Fatima und die zwölf Imame, insofern für unfehlbar erachtet, als dass all ihre Aussagen oder Lehren als mit Sicherheit wahr zugrunde gelegt werden können und dass alles, woran sie glauben, ebenfalls wahr ist.

 

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