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Die Solidarität

Solidarität ist ein zentrales Prinzip der modernen gesellschaftlichen und ökonomischen →Ethik und als solches das Schlüsselkonzept der 2. unwiderruflichen Direktive der Globalen Deklaration zur Ethik.

Sie lässt sich grob als Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe definieren, das auf gemeinsamen Interessen, Zielen und Normen fußt. Aus diesem Zusammengehörigkeitsgefühl heraus entstehen die Verpflichtung und die Bereitschaft, einander zu unterstützen, insbesondere, dass die stärkeren den schwächeren Mitgliedern der Gemeinschaft helfen.

Solidarität wurde im 19. Jahrhundert zu einem Schlagwort für die Arbeiterbewegung. Im Gegensatz zum abstrakten Begriff einer universellen »Brüderlichkeit«, der in der französischen Revolution beschworen wurde, betonte die Arbeiterbewegung die Notwendigkeit, dass die Arbeiterklasse die kapitalistische Isolierung des einzelnen Arbeiters, die einen zerstörerischen Wettbewerb untereinander bewirkt, überwindet. Außerdem solle die Arbeiterklasse sich in Gewerkschaften, Genossenschaften und politischen Parteien zusammenschließen, um ihre gemeinsamen ökonomischen, sozialen und politischen Interessen zu verfolgen.

Die institutionalisierte Solidarität ist demzufolge das Wahrzeichen des modernen Sozialstaates und findet ihren Ausdruck in den verschiedenen sozialen Absicherungssystemen, die darauf ausgerichtet sind, angesichts der Widrigkeiten des Lebens einen bestimmten Mindestlebensstandard zu garantieren. Zudem wird die Wirtschaft öffentlich reglementiert, um den Wohlstand zu teilen und Ausbeutung und Ausgrenzung zu verhindern.

In modernen Theorien der sozialen Gerechtigkeit impliziert das Prinzip der Solidarität, dass die wohlhabenden und mächtigen Mitglieder einer Gesellschaft gegenüber den schwächeren Mitgliedern ihrer Gesellschaft konkrete Verpflichtungen haben und dass der Staat befugt ist, die Erfüllung dieser Verpflichtungen sicherzustellen.

Darüber hinaus endet die Verpflichtung zur Solidarität nicht an Landesgrenzen; wohlhabende Länder haben nicht das Recht, die Schwächen ärmerer Länder auszunutzen; vielmehr sind sie verpflichtet, ihren Wohlstand mit ihnen zu teilen und ihre Entwicklung zu fördern. Angesichts der zunehmenden →Globalisierung wird die Forderung nach internationaler Solidarität zunehmend dringlicher.

Seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts stößt das Konzept der Solidarität jedoch zunehmend auf Widerstand im Namen des →Neoliberalismus, der die individuelle Verantwortung im Gegensatz zur gemeinsamen Verantwortung hervorhebt und eine Rückverlagerung der Kontrolle über die Wirtschaft vom öffentlichen in den privaten Bereich verlangt. Bestrebungen zur Durchsetzung einer neoliberalen Politik haben im Allgemeinen zu steigender Armut und Ausgrenzung der unterprivilegierten Schichten geführt.

Solidarność (Polnisch: »Solidarität«) ist der Name einer unabhängigen polnischen Gewerkschaft, die im September 1980 unter der Führung von Lech Walesa in der Danziger Lenin-Werft gegründet wurde. Sie war die erste nichtkommunistische Gewerkschaft in einem kommunistischen Land und entwickelte sich zügig zu einer breiten antikommunistischen Gesellschafts-bewegung, die Menschen vereinte, die mit der katholischen Kirche und mit der politischen Linken in Verbindung gebracht wurden.

Von Beginn an war sie auf verbindliche Weise der Gewaltfreiheit verpflichtet; sie setzte auf Streiks, öffentlichen Protest und Verhandlungen, um einen Wandel herbeizuführen. Sie überstand alle Bestrebungen im Hinblick auf eine staatliche Repression während der 1980er Jahre, wodurch die Kommunisten gezwungen waren, offizielle Verhandlungen in Form der polnischen Rundtischgespräche (Februar bis April 1989) mit ihr aufzunehmen, die zu einem überwältigenden Sieg der Solidarnosc-Kandidaten bei den Parlamentswahlen 1989 führten.

Im August 1989 bildete eine durch Solidarnosc geführte Koalition eine neue Regierung, und im Dezember 1990 wurde Walesa zum Präsidenten Polens gewählt. Bald gab es jedoch Meinungsverschiedenheiten, und die Solidarnosc-Partei verlor die Wahlen 1993. 1997 bildete eine durch Solidarnosc geführte Koalition erneut die Regierung, doch nach einer vernichtenden Niederlage bei den Wahlen 2001 trat die Bewegung als politische Kraft zurück, wenngleich sie als Gewerkschaft fortbesteht.


 

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